Frauen in der DDR – Bericht über die MV zum Internationalen Frauentag

Bericht über die Mitgliederversammlung der DKP-Kreisorganisation Neuss am 12.03.2014 zum Internationalen Frauentag.

Es war eine sehr interessante Mitgliederversammlung, in der ausführlich diskutiert und viele Informationen vermittelt wurden.

Die Referentin Dr. med. Erika Abczynski aus der DKP-Kreisorganisation hatte sehr aussagekräftiges Material über die Lage der Frauen in der Bundesrepublik Deutschland und in der Europäischen Union vorbereitet. Sehr eindrucksvoll schilderte sie anhand von authentischen Zahlen die Diskriminierung der Frauen im Arbeitsleben, insbesondere durch Niedriglöhne, weit unter dem, was an Mindestlohn gefordert wird, bei gleicher Arbeit gegenüber Männern rund 23 % geringere Löhne, vielfach nur Teilzeitarbeitsplätze, obwohl der Wunsch nach Vollbeschäftigung besteht, und generell geringe Aufstiegschancen. Als besonders skandalös werteten Referentin und Teilnehmer die ungenügende Unterstützung alleinerziehender Frauen durch die Politik, und die weltweite Gewalt gegen Frauen.

Der Genosse Dr. jur. Dr. phil. Ernst Albrecht, der im Jahr 2006 aus Mecklenburg-Vorpommern nach Dormagen verzogen war, informierte, auch am Beispiel der eigenen Familie, über die Frauenpolitik unter den gesellschaftlichen Verhältnissen in der Deutschen Demokratischen Republik, die von der gesamten Öffentlichkeit in jedem Jahr am 8. März besonders gewürdigt wurde.

Nach der Geburt seiner ersten Tochter im Jahr 1958 war es noch nicht möglich, nach dem Wochenurlaub der Ehefrau sofort einen Krippenplatz zu bekommen, damit sie weiter arbeiten konnte. Bei der Geburt der zweiten Tochter im Jahr 1964 war das schon anders, und nach der Geburt des von den Eheleuten aufgezogenen Enkelsohnes im Jahr 1978 war im Maßstab der DDR bereits eine Versorgung mit Krippenplätzen von 80 % und eine volle Bedarfsdeckung mit Kindergartenplätzen erreicht. Die Eltern mussten nur Essengeld in Höhe von 30 bis 80 Pfennigen pro Tag zahlen, ansonsten war die Betreuung in der Kindereinrichtung kostenlos.

Da viele Volkseigene Betriebe und Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften zusätzlich zu den kommunalen Einrichtungen eigene Kinderkrippen und Kindergärten gründeten, und aus ihrem Kultur- und Sozialfonds, gebildet aus dem Gewinn des Betriebes, finanzierten, oft in diese Einrichtungen auch Kinder von Eltern aufnahmen, die nicht in diesem Betrieb arbeiteten, wurde eine hohe Bedarfsdeckung erreicht, so dass ab Ende der 1970er Jahre ein Frauenbeschäftigungsgrad von über 80 % gegeben war. Von allen Arbeitern und Angestellten waren etwa 49 % Frauen.

Die Gleichberechtigung und Förderung der Frauen war offizielle Staatspolitik, in der Verfassung und vielen Gesetzen ausformuliert, und in der Praxis mit Konsequenz durchgesetzt.

Das Prinzip gleicher Lohn für gleiche Arbeit von Männern und Frauen war schon im ersten „Gesetz der Arbeit“ im Jahr 1950, ein Jahr nach Gründung der DDR, und danach in den Arbeitsgesetzbüchern von 1961 und 1977 festgeschrieben, (die Bundesrepublik Deutschland hat bis heute kein Arbeitsgesetzbuch!).

Verheiratete Frauen mit Kind, Alleinerziehende und später alle Frauen ab 40 Jahre erhielten, wenn sie voll erwerbstätig waren, jeden Monat einen bezahlten Haushaltstag.

Auch in höchsten gesellschaftlichen, staatlichen und wirtschaftlichen Funktionen, als Abgeordnete, Minister, Mitglieder der Räte der Bezirke, Kreise, Städte und Gemeinden, und Leiterinnen großer, mittlerer und kleiner Betriebe wurden Frauen eingesetzt.

Frauen wurden in sehr großem Umfang durch spezielle Qualifizierungsmaßnahmen auf eine besser bezahlte Tätigkeit vorbereitet, so z.B. in Frauensonderklassen mit wöchentlich 2 Tagen bezahlter Freistellung von der Arbeit, und im Frauensonderstudium an Hoch- und Fachschulen mit 80 % Fortzahlung des Nettolohnes für die Dauer des Studiums.

Dennoch war bezüglich der Rolle der Frauen nicht alles „eitel Sonnenschein“. So war der Anteil der von Männern besetzten Führungsstellen weit höher, und es gab bis zuletzt diesbezüglich Nachholbedarf.

Vom Gesetz her war die Gleichberechtigung der Frau bereits in der Verfassung der DDR und in vielen Gesetzen garantiert, und im Berufsleben und der Öffentlichkeit auch weitgehend durchgesetzt. Aber es war noch nicht überwunden, dass die Hauptlast, vor allem im Haushalt, neben ihrer Berufstätigkeit auf den Schultern der Frauen lag.

Die tatsächliche Gleichberechtigung bei der Verteilung der Lasten in der Familie war stark abhängig von der Haltung der Männer, und blieb bis zuletzt eine Erziehungsfrage, zu der es auch viele öffentliche Auseinandersetzung gab.

Aber bei allem bleibt die Tatsache: Die DDR hat bewiesen, was unter sozialistischen Produktions- und Machtverhältnissen auch für die Rolle und Stellung der Frau möglich ist – eine wichtige Seite, die wir bei unserem Kampf um unser Ideal, eine von Ausbeutung und Unterdrückung freie Gesellschaft, stets mit im Blick haben sollten.

Dr. jur. Dr. phil. Ernst Albrecht