Frauen in der EU – Referat vom 12.03.2014

Frauen in der EU – Referat MV 12.03.14

 Ich werde im wesentlichen auf 3 Punkte eingehen:

  • Arbeitsleben
  • Gewalt gegen Frauen
  • Krieg und Frieden

Die Europäische Kommission formuliert eine Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2010-2015, die am 21.Sept.2010 angenommen wurde. Ich zitiere

  • Gleiche wirtschaftliche Unabhängigkeit
  • Gleiches Entgelt für gleiche und gleichwertige Arbeit
  • Gleichstellung in Entscheidungsprozessen
  • Schutz der Würde und Unversehrtheit – Beseitigung der Gewalt gegen Frauen
  • Gleichstellung in der Außenpolitik
  • Querschnittsfragen

 Im Europa-Lexikon der Bundesregierung kann man lesen:

Schon im EWG-Vertrag von 1957 wurde der Grundsatz “gleicher Lohn für gleiche Arbeit” festgeschrieben.

Aber wie sieht die „Gleichstellung“ heute aus?

Die Frauen sind nach wie vor die Reservearmee des Kapitalismus. Einige Zahlen mögen dies zeigen:

In Deutschland waren 2012 17,7 Millionen Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahrenerwerbstätig. Das seien 71,5 Prozent dieser Altersgruppe. Höher war der Anteil erwerbstätiger Frauen nur in den Niederlanden (71,9 Prozent), Dänemark (72,2), Finnland (72,5) und Schweden (76,8). Der EU-Durchschnitt lag bei 62,3 Prozent. In Griechenland (45,2) und Malta (46,8) hatte nicht einmal jede zweite Frau einen Job. Auch in Spanien und Italien liegt die Erwerbstätigkeit der Frauen unter 50 %. Die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland hat in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen. 2002 lag die Erwerbstätigenquote von Frauen in Deutschland noch bei 61,8 %. Die stärkste Zunahme wiesen dabei die älteren Frauen auf. Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen stieg von 14,5 % im Jahr 2002 auf 38,7 % im Jahr 2012 an. Dazu muss man wissen, dass das Renteneintrittsalter inzwischen auch für Frauen bei 65 Jahren und mehr liegt. Trotz des starken Anstiegs sind Frauen aber weiterhin deutlich seltener erwerbstätig als Männer. Die Erwerbstätigenquote der Männer von 20 bis 64 Jahren in Deutschland lag 2012 bei 81,8 %.

IG-Metall-Vorstandsmitglied Christiane Benner sagt dazu: “Die nackte Zahl an berufstätigen Frauen sagt nichts über die Qualität der Jobs aus. Es ist kein Zufall, dass zwei Drittel der insgesamt über sieben Millionen Minijobber weiblich sind.” Mehr als jede 5. erwerbstätige Frau (20,8 Prozent) arbeitet hierzulande weniger als 20 Wochenstunden (2008). Obwohl Lohnabschläge aufgrund kürzerer Arbeitszeiten verboten sind, liegen die Stundenlöhne für Teilzeit um 4,70 € unter denen von Vollzeitarbeit.

Während der Anteil der beschäftigten Frauen zwischen 1991 und 2010 um 16 Prozent stieg, wuchs das von ihnen geleistete Arbeitsvolumen nur um 4 Prozent. Mehr Frauen sind erwerbstätig, aber gemessen in Vollzeitäquivalenten stagniert die Frauenerwerbstätigkeit seit Jahren.  Immer mehr Frauen teilen sich also ein im Prinzip konstantes Erwerbsarbeitsvolumen. Die Ursache dafür ist der Trend zu immer mehr und immer kürzerer Teilzeit bei erwerbstätigen Frauen. Frauen verdienen fast ein Viertel weniger als die Männer, Geschlechterspezifisches Lohngefälle heißt das. In Deutschland verdienen Frauen 23,2 % weniger als die Männer, EU-weit sind es 17,8 %.

Aber welche Jobs haben Frauen?

Frauen sind überwiegend auf geringer bezahlten Arbeitsplätzen beschäftigt und stoßen auf größere Schwierigkeiten bei der beruflichen Beförderung (lediglich ein Drittel der Führungspositionen in den Unternehmen der EU sind mit Frauen besetzt)Sie stellen über 80 Prozent der Beschäftigten in den – in der Regel schlecht bezahlten und extrem belastenden – Gesundheits- und Pflegeberufen.

Die typischen Frauenberufe im sozialen Bereich und im Dienstleistungsbereich werden viel niedriger bezahlt als Berufe in der Industrie. Man vergleiche z.B. Kindergärtnerin , Friseurin, Altenpflegerin mit Industriemechaniker, Chemie-Facharbeiter, Mechatroniker.

Knapp zwei Drittel der Niedriglohnbezieher sind Frauen.

Das bedeutet: Aktuell bezieht fast jede dritte (30,8 Prozent) erwerbstätige Frau in Deutschland einen Niedriglohn, also einen Lohn unterhalb der Schwelle von aktuell 9,15 Euro. (Männer: 16,7 Prozent) (IG Metall)

Dabei gibt es Niedriglöhne keinesfalls nur im Bereich der geringfügigen Beschäftigung: 45 Prozent entfallen auf Vollzeit, ca. 25 Prozent auf sozialversicherungspflichtige Teilzeit und ca. 30 Prozent auf Minijobs. Angesichts dieser Fakten hätte mit Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns selbst von nur 8,50 Euro mehr als jede vierte Frau Anspruch auf Lohnerhöhung (15 Prozent der Männer).

Frauen haben die SchwierigkeitBerufs- und Privatleben miteinander zu vereinbaren, was häufig dazu führt, dass Frauen einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen oder ihre Erwerbstätigkeit mehrmals unterbrechen. Beides wirkt sich negativ auf die berufliche Karriere aus. . Oft wird verbreitet, Frauen wollten gar nicht länger arbeiten. Das ist falsch. 2010 gaben fast ein Fünftel der Teilzeit beschäftigten Frauen an, dass sie eigentlich Vollzeit arbeiten wollten (in Ostdeutschland sogar über 80 Prozent!). Die Hälfte der Teilzeit arbeitenden Frauen möchte länger arbeiten, bei den geringfügig Beschäftigten sogar drei Viertel.

Das bedeutet: Frauen leisten noch immer mehr unbezahlte Arbeit als Männer. 

Frauen und Männer wünschen sich eine gesunde Balance zwischen Beruf und Familie – die Wirklichkeit sieht anders aus. Zeitintensive Arbeiten im Haushalt wie Putzen, Waschen und Kochen werden mehrheitlich von den Frauen übernommen – auch dann, wenn noch keine Kinder im Haushalt leben. Auch Pflege und Kindererziehung bleiben Frauensache. Ein Drittel der Männer würde die Erwerbsarbeit nicht für die Kindererziehung unterbrechen, die restlichen Männer nur kurz. Der Wunsch, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, ist ungebrochen hoch: 91 Prozent der befragten Frauen sind Erwerbsarbeit und eigenes Geld sehr wichtig. Bemerkenswert ist der Wertewandel der Männer: 76 Prozent der Männer wollen heute eine Partnerin, die „sich um den eigenen Unterhalt kümmert“ (2007: 54 Prozent). Immer seltener fühlen sie sich als Alleinernährer der Familie. Das ergab eine Erhebung des infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft

Großer Kinderwunsch, wenig Kinder 

Der Kinderwunsch von Frauen ist unverändert hoch. 93 Prozent der Frauen wollen Kinder. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beurteilen die jungen Frauen aber zurückhaltend. 53 Prozent der in der infas Studie befragten Frauen stimmten 2012 der Aussage zu: „Wer Kinder hat, kann keine wirkliche Karriere machen.“ (2007: 36 Prozent). Die befragten Frauen, die Kinder bekommen haben, fühlen sich beruflich ausrangiert. Hinzu kommt: Insbesondere Männer erleben die Gesellschaft als kinderfeindlich. Obgleich auch sie gerne Kinder hätten, bleiben sie unentschlossen. Frauen und Männer zögern die Familiengründung immer länger hinaus.( infas Institut) . Immer noch knapp ein Viertel aller Paarhaushalte mit Kindern praktiziert auch heute das Ernährermodell, über 70 Prozent das Zuverdienermodell (meist Vollzeit-Ernährer plus Teilzeit-Zuverdienerin).

Mit welchem Ziel stellt die Wirtschaft mehr Frauen ein?

Dazu folgendes:

In der „Wirtschaftswoche“ vom 06.03.14 wurde über eine Studie der EU-Kommission berichtet, ich zitiere: „Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ist eine der wichtigsten Branchen. Doch Europas Frauen sind in diesem Sektor bisher unterrepräsentiert, stellt die EU-Kommission fest. Zum Beispiel sind gerade einmal neun Prozent aller App-Entwickler Frauen, bei Management Positionen in der IKT-Branche liegt der Anteil bei rund 19 Prozent. (Zum Vergleich: In anderen Dienstleistungsbrachen sind es rund 45 Prozent.) Es gibt also noch viel Luft nach oben, meint die EU-Kommission und möchte das Problem anpacken.“ Eine Änderung würde sich auf das „europäische BIP auswirken. Etwa neun Milliarden Euro mehr pro Jahr wären möglich, wenn Frauen in der Branche genau so häufig anzutreffen wären wie Männer.“

BDI-Präsident Ulrich Grillo, wirft der Bundesregierung Untätigkeit in wichtigen Politikfeldern vor. „Ich kann im Moment keine Konzeption, keine Projekte, keine Richtung erkennen, wie diese Koalition den Industriestandort Deutschland bis 2017 und auch darüber hinaus weiterentwickeln will,“ sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es fehle an konkreten Schritten, um die Investitionen zu erhöhen, den Standort attraktiver zu machen, die gewaltigen Probleme der Demographie anzugehen. Deutschland falle zurück bei Investitionen und Innovationen. Statt dessen befasse sich die Regierung mit Frauenquoten, Mindestlohn und Mütterrente. Wenn Profite gesteigert werden können, werden Frauen eingestellt, wenn nicht, bleiben Frauen außen vor. Das ist gleichzeitig die Antwort auf die Frage, warum die hehren Ziele der EWG und jetzt der EU nach Gleichstellung der Frauen nicht erreicht werden. Die geringen Frauenarbeitsquoten in den armen Ländern der EU sind ein deutlicher Beweis dafür.

In einem Punkt hat die EU Gleichberechtigung geschaffen. Und dazu möchte ich Wikipedia zitieren:

Der Europäische Gerichtshof hat ausgehend von den vertraglichen und sekundärrechtlichen Bestimmungen bereits früh begonnen, eine umfangreiche Rechtsprechung zur Gleichstellung zu entwickeln. Eines der herausragenden Beispiele für den Einfluss der EuGH-Rechtsprechung ist der Fall “Kreil” (Rs. C-285/98): Mit seinem Urteil vom 11. Januar 2000 erklärte der Gerichtshof die Bestimmung in Art. 12a GG für mit dem EU-Recht unvereinbar, wonach Frauen bei der Bundeswehr auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten durften. Dabei handle es sich um eine nicht zulässige Ungleichbehandlung. Die strittige Bestimmung wurde inzwischen aus dem Grundgesetz gestrichen; Frauen haben seither grundsätzlich Zugang zu allen Funktionen bei der Bundeswehr.“

Im Krieg sind es wiederum die Frauen, die besondere Benachteiligungen erfahren. Sie müssen das gesamte alltägliche Leben allein organisieren, müssen Arbeiten übernehmen, die im Frieden als Männerarbeit gelten wie z.B. in der Rüstungsindustrie im 2. Weltkrieg. Sie sind im Krieg besonders oft Gewalt ausgesetzt, werden vergewaltigt ohne dass ihre Peiniger irgendeine Strafe zu gewärtigen haben. Wobei schon im Frieden die Gewalttätigkeit gegen Frauen erschreckend hoch ist. Jede dritte Frau in der Europäischen Union ist seit ihrer Jugend Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt gewesen. Das sind etwa 62 Millionen Frauen. Fünf Prozent davon wurden vergewaltigt. Das berichtete die EU-Grundrechte-Agentur (FRA).

Mehr als 40.000 Frauen im Alter zwischen 18 und 74 Jahren wurden zuvor in den 28 Mitgliedstaaten für eine Studie befragt. Die Gespräche fanden 2012 persönlich statt.

Ein weiteres Problem, unter dem Frauen mehr als Männer leiden, sind die steigenden Mietpreise. Vor allem in den Städten ist preiswerter Wohnraum kaum mehr zu kriegen. Durchschnittspreise:

Neuss

30 m²

9,35 €

60 m²

7,12 €

100 m²

8,01 €

In Großstädten wie Düsseldorf und München liegen die Preise über 10 € pro Quadratmeter. Wie sollen alleinerziehende Mütter das finanzieren? Ein Resultat ist die Abhängigkeit vom Sozialamt, ein anderes der Entschluss zur sehr kleinen Wohnung. Wer auf wenig Quadratmetern gewohnt hat, weiß, wie schwer es ist, diesen engen Wohnraum wohnlich zu halten.

Noch eine Benachteiligung der Frauen:

Die Niedriglöhne von heute sind Zeitbomben für die Alterssicherung der Betroffenen.

Fast 41 Prozent der west- und 21 Prozent der ostdeutschen Frauen, die heute zwischen 45 und 50 Jahre alt sind, haben eine Rente unterhalb der Grundsicherung (zurzeit ca. 680 Euro) zu erwarten. (IG Metall). Hartz IV, Leiharbeit, Niedriglöhne, Senkung der Sozialleistungen, teure Kindergartenplätze, Steigerung der Mieten: Alles hat seine Ursache im Profitprinzip. Arbeitsplätze gibt es, wenn die Arbeit zur Steigerung der Profite führt oder zur Reproduktion notwendiger Arbeitskräfte unumgänglich ist. Oft wird verbreitet, Frauen wollten gar nicht länger arbeiten. Das ist falsch.2010 gaben fast ein Fünftel der Teilzeit beschäftigten Frauen an, dass sie eigentlich Vollzeit arbeiten wollten (in Ostdeutschland sogar über 80 Prozent!). Die Hälfte der Teilzeit arbeitenden Frauen möchte länger arbeiten, bei den geringfügig Beschäftigten sogar drei Viertel.

Zum Abschluss zitiere ich Bettina Jürgensen, die in einem Referat auf der 11. PV-Tagung am 24./25.11.2012 sagte:

Natürlich löst eine Quote letzten Endes nicht die Probleme und schon gar nicht die gesellschaftlichen Ursachen von Diskriminierung. Diese liegen im kapitalistischen System. Was und wer keinen Mehrwert schafft und nicht zur Vermehrung des Profits beiträgt, hat in diesem System keine Chance, auf die oberste Stelle der Tagesordnung zu kommen. Das betrifft gerade viele Arbeiten, die überwiegend von Frauen geleistet werden. Die Kindererziehung, die Pflege von alten Menschen, aber auch Kunst und Kultur fallen durch das Raster. Und die vielen Arbeiten im Dienstleistungsbereich, in denen auch überwiegend Frauen arbeiten. Denken wir nur daran, wie schnell für Banken und Konzerne hunderte Milliarden Euro ausgegeben wurden. Und wie ebenso schnell die im Verhältnis nur 70 Millionen Euro teure Transfergesellschaft für über zehntausend Schlecker-Beschäftigte, meist Frauen, abgelehnt wurde.“

Dr. Erika Abczynski