Ukraine, Stand 03.08.2014 – Vortrag des Genossen Dr. Ernst Albrecht

Mein Anliegen besteht darin, einige Hintergrundinformationen über Zusammenhänge zu vermitteln, um Veröffentlichungen in den Medien besser durchschauen und einordnen zu können.

Eines gleich vorweg:
Die Auseinandersetzungen zwischen USA und EU einerseits und Russland andererseits über die Vorgänge in der Ukraine sind Kämpfe zwischen imperialistischen Klassenkräften, denn auch Russland ist heute von seinen ökonomischen Grundlagen und politischen Machtverhältnissen her ein imperialistisches Land.

Was die innenpolitischen Auseinandersetzungen, den Krieg der Putschregierung gegen die östlichen Landesteile betrifft, so sind das keine klassischen Kämpfe zwischen Arbeiterklasse und Bourgeosie.

Es stehen sich gegenüber:

Imperialistische Klassenkräfte der Ukraine, stark von faschistischen Elementen durchsetzt, die aus ihren Klasseninteressen heraus sich auf die USA, die EU und NATO orientieren, verbunden mit extremer antirussischer Haltung,

und auf der anderen Seite

aus allen Schichten der Bevölkerung bestehende Kräfte, vor allem in den östlichen und südlichen Gebieten, die die Putschregierung in Kiew und ihre auf den Westen gerichtete Politik nicht anerkennen, den Einfluss der faschistischen Kräfte ablehnen und an guten Beziehungen zu Russland interessiert sind.

Was sich heute abspielt, ist Kampf des Imperialismus der USA und der EU gegen den Imperialismus im heutigen Russland, und im Inneren der Ukraine Kampf um die Richtung der kapitalistischen Entwicklung, in die die Ukraine geht. Eine sehr gute klassenmäßige Analyse hat Willi Gerns in seinem Beitrag in der UZ v. 27.06.2014 „Putins Russland – weder Satan noch Heilsbringer“ vorgelegt.

Wir als Kommunisten und wir als ehemalige DDR-Bürger, zu denen ich gehöre, neigen dazu, relativ schnell Partei zu ergreifen. Das heutige Russland ist aber nicht mehr die sozialistische Sowjetunion. Allerdings gehört unsere Sympathie nach wie vor den Völkern der ehemaligen Sowjetunion, die unter der heute in Russland herrschenden Oligarchie, die sich das Volkseigentum angeeignet hat, leiden.

Aber eines muss man bei allem, was man aus klassenmäßiger Sicht Putin anlasten kann, hervorheben: Ihm und seiner besonnenen Haltung ist es zu verdanken, dass er nicht auf die Provokationen des Westens hereingefallen ist, und es wegen der Ereignisse in der Ukraine seit November 2013 nicht zu einem großen Krieg gekommen ist. Bei aller Klarheit über das Wesen der heutigen Machtverhältnisse in Russland ist es geboten, Front zu machen gegen die Politik der USA und EU gegenüber Russland.

Historie

  • Mittelalterliche Wurzel der Ukraine ist die Kiewer Rus. Das war ein mittelalterliches Großreich mit Zentrum in Kiew. Im 12. Jahrhundert durch Angriffe
    der Mongolen zerfallen. Die Kiewer Rus gilt als Vorläufer der heutigen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland. Diese Vergangenheit ist bis heute in den Traditionen vorhanden.
  • Die Ukraine gehörte über Jahrhunderte zum zaristischen Reich.
  • Sie war später von der Fläche, der Bevölkerungszahl und den wirtschaftlichen Potenzen her die zweitgrößte Unionsrepublik der UdSSR.
  • Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik Mitglied der UNO und war Atommacht.
  • Es gab in der Ukraine schon immer stark nationalistisch orientierte Kräfte. Diese begrüßten den Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion. Viele junge Ukrainer meldeten sich zu SS- Sondereinsatzgruppen, die grausam wüteten.
  • Die Ukraine war mit eines der ersten Opfer des faschistischen Überfalls.
    Im 2. Weltkrieg gab es 6,5 Mio Tote unter der ukrainischen Zivilbevölkerung. Zahlreiche Ukrainer wurden als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt.
  • Die Ukraine war nach dem faschistischen Überfall Schauplatz zahlreicher Massenmorde an Juden und sowjetischen Kriegsgefangenen. 1941 gab es in der Ukraine 2,4 Mio Juden. Diese wurden, soweit ihnen die Flucht nicht gelang, fast vollständig ausgerottet, wobei sich hier ukrainische SS- Angehörige besonders hervortaten.
  • Nach der deutschen Besetzung wurde der größte Teil des Landes unter deutsche Zivilverwaltung gestellt. Besonders im Osten gab es Hungersnöte, weil die Deutschen die Getreideernte nach Deutschland brachten und große Teile der ukrainischen Bevölkerung verhungern ließen.
  • Als die Hitlerwehrmacht durch die Sowjetarmee aus dem Land vertrieben wurde, betrieb sie eine Politik der verbrannten Erde.
  • Ein treuer Diener der deutschen Faschisten war der nationalistische Führer Stepan Bandera. Er wurde, weil seine nationalistische Einstellung den deutschen Faschisten nicht passte, zeitweise in ein KZ gesperrt, dann aber, als man ihn gegen die Rote Armee brauchte, wieder freigelassen.
  • Bandera hatte schon vor dem faschistischen Überfall in Lwiw (Lemberg) ein Massaker gegen die ukrainischen Juden verübt.
  • Unter seiner Führung wurde eine ukrainische SS-Division aufgestellt und gegen die Sowjetarmee in den Kampf geführt
  • Der Kampf gegen diese Leute musste nach dem 2. Weltkrieg weitergeführt werden. Sie wurden erst in den 1950er Jahren zerschlagen.
  • Diese Erfahrungen der Bevölkerung aus dem 2. Weltkrieg prägen natürlich bis heute in hohem Maße das Denken und Fühlen der Menschen und wirken nach.
  • Die Partei „Swoboda“, über die noch zu reden sein wird, ging aus diesen Kräften hervor. Als Juschtschenko Präsident war, hat er Bandera zum „Helden der Ukraine“ erklärt, und 49 Lenin-Statuen stürzen lassen. Inzwischen sind in der Westukraine durch diese Leute 2 Mio Denkmäler geschleift, Straßen umbenannt und Ehrenbürger nach ihren Maßstäben ernannt worden.
  • Mit dem Zerfall der UdSSR im Ergebnis des Staatsverrats von Gorbatschow, Jakowlew, Schewardnadse und Jelzin wurde die Ukraine 1991 ein selbstständiger Staat mit kapitalistischer Entwicklung.
  • Die Krim gehörte zum zaristische Reich, wurde 1921 Autonome Sozialistische Sowjetrepublik im Rahmen der RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik).
  • 1954 initiierte Chruschtschow, er stammte aus der Ukraine, einen Beschluss des Obersten Sowjets der UdSSR, wonach die Krim an die Unionsrepublik Ukraine überging.
  • Sie wurde innerhalb der Ukraine Autonome Republik mit eigener Verfassung, eigener Regierung und teilautonomer Gesetzgebung. Darin liegt ein entscheidender staatsrechtlicher Unterschied zum Ausscheiden der Krim aus der Ukraine und der Ausrufung der „Volksrepublik Donezk“, beide im
    Ergebnis von Referenden.

Soziales

  • Die Ukraine hatte 1989 51,7 Mio Einwohner. Mit Zerfall der UdSSR und im Ergebnis der Krise ging die Bevölkerung stark zurück. Sie hat jetzt rund 46 Mio Einwohner, davon sind rund 77 % Ukrainer und rund 8,3 Mio Russen, etwa 17,3 Prozent. 75 % der Ukrainer gehören der orthodoxen Kirche an, 4 % sind Muslime, 1,1 % gehören der röm.-kath. Kirche an, 1,2 % sind evangelische
    Christen.
  •  Die größten Städte sind Kiew mit 3 Mio. Donezk mit 1,6 Mio., Charkow mit 1,6 Mio., Dnjepropetrowsk mit 1,4 Mio., und Odessa mit 1,1 Mio. Einwohnern
  • Ein besonderes Reizthema ist seit 1991 die Sprachenfrage. In der UdSSR waren die ukrainische und die russische Sprache gleichberechtigte Amtssprachen.
  • Nach 1991 gingen die nationalistischen Kräfte gegen die russische Sprache vor, und daraus entwickelte sich starker sozialer Zündstoff. Besonders taten sich dabei der Präsident Juschtschenko und die Ministerpräsidentin Timoschenko hervor. Beide betrieben eine starke Politik der Ukrainisierung.
  • Unter der Präsidentschaft von Janukowitsch wurde das teilweise korrigiert. Es schwelt aber bis heute. 2012 wurde ein Gesetz erlassen, wonach in Regionen, in denen mindestens 10 % der Bevölkerung eine andere Sprache sprechen, diese den Status einer regionalen Sprache erhalten. Damit ist jetzt in 13 der 27 Regionen der Ukraine Russisch gleichgestellt.
  • Auf der Krim sprechen 77 % der Einwohner russisch, in Sewastopol über 90 %, im Gebiet Donezk über 24 %, im Gebiet Luhansk über 30 %. Diese Problematik spielt in den gegenwärtigen Kämpfen eine große Rolle.

 

Ökonomisch

  • In der UdSSR hat die Ukraine einen starken Aufschwung genommen und war dort eine bedeutende Kraft.
  • Die Ukraine hat vor allem Metalle und Kohle, sie hat 5 % der weltweiten Eisenerzvorkommen. Das Donezgebiet war früher das bedeutendste Kohlerevier der UdSSR. Es war und ist ein industrieller Schwerpunkt des Landes. Die Ukraine hat Bauxit, Blei, Chrom, Gold, Quecksilber, Nickel, Titan, Uran, Zink. Jährlich werden 60 Mio t. Getreide erzeugt, damit steht die Ukraine an Platz 7 der weltweit größten Getreideproduzenten.
  • Mehr als 20 % des Exports der Ukraine gehen nach Russland. Die Ukraine ist stark abhängig von Öl und Gas aus Russland.
  • Seit der Unabhängigkeit hat die Ukraine schwere wirtschaftliche und demographische Probleme. Das Bruttoinlandsprodukt 2012 hatte nur noch 69 % des Standes von 1990. Die Ukraine hat ein Bruttoinlandsprodukt von 5.900 € pro Kopf, zum Vergleich: Russland 14.000 €, EU im Durchschnitt 28.000 €. 74 % des Bruttoinlandsprodukts gehen für die Auslandsschulden weg; das sind jährlich 107 Mrd. Euro.
  • Das monatliche Einkommen pro Kopf liegt in der Ukraine bei 295 €, in Bulgarien, das ein sehr armes Land ist, liegt es bei 397 €, in Russland bei 667 €. In Kiew liegt der Durchschnittslohn bei 2,20 €/Stunde. Je weiter nach Westen, umso geringer. Im Osten sind die Löhne höher.
  • Es gibt ein großes Elend unter der Bevölkerung und keine obligatorische oder staatliche Krankenversicherung. Viele können sich notwendige Operationen nicht leisten. Es gibt die Illusion, mit der Orientierung auf den Westen, d.h. die EU, würde alles besser.

 

Politisch

  • Nach der Verfassung hat der Präsident eine sehr starke Stellung. Er kann das Parlament auflösen, ist Oberbefehlshaber, kann das Kriegsrecht verhängen, ernennt den Generalstaatsanwalt und  2/3 der Richter des Verfassungsgerichts.
  •  Die Ukraine hat eine Armee von 191.000 Mann plus 1 Mio Reservisten. 88.500 Heer, 51.500 Luftwaffe, dazu Marine, Truppen Innenministerium und Grenzschutz; 9 Monate Wehrpflicht.
  • Für das Verständnis der gegenwärtigen Auseinandersetzungen ist die Information über die Parteien wichtig.

Es gibt 5 Parteien, die die politische Landschaft prägen:

1. Allukrainische Vereinigung „Vaterland“.

  • 1999 gegründet
  •  Bezeichnet sich als „Mitte – rechts – Partei“. Sie hat keine klare Ideologie. Ist    geprägt durch populistisches Auftreten.
  •  Ablehnung des „Sozialismus und Marktfundamentalismus“
  • Ist stark ausgerichtet auf die Parteivorsitzende Timoschenko
  • 2012 war Jazenjuk Spitzenkandidat und wurde Ministerpräsident
  • In den Parlamentswahlen 2012 erreichte sie 25,54 % der Stimmen.

 

2. Allukrainische Vereinigung Swoboda.

 

  • 1991 gegründet
  • Es ist eine rechtspopulistische, radikal nationalistische und faschistische Partei.
    Verehrt Bandera. Ist seit Februar 2014 an der Regierung beteiligt. Stellt einen stellv. Min.-Präsident, den Generalstaatsanwalt und den Landwirtschaftsminister. Ihre Anhänger tragen eine Armbinde mit einem Symbol, das dem Hakenkreuz ähnelt.
  • Sie verkündet eine Politik des „Widerstandes gegen den russischen Imperialismus“.
  • Bei Parlamentswahl 2012 erreichte sie 10,4 % der Stimmen.
  • Sie ist in den Aktionen des Maidan ein Dreierbündnis eingegangen mit der UDAR– Partei von Klitschko, und der Partei „Vaterland“ von Timoschenko.
  • Sie ist vor allem im Westen der Ukraine stark.

3. Kommunistische Partei (KPU)

  • 1918 gegründet. Sie war eine regionale Gliederung der KPdSU.
  • Wurde 1991 verboten, 1993 in Donezk wiedergegründet. Sie wurde eine der größten Parteien der Ukraine. Vorsitzender ist Petro Symonenko.
  • 1994 gelang der Einzug in die Werchowna Rada (Parlament). Dann gab es eine Krise der Partei, aber danach einen neuen Aufschwung.-Sie erreichte in den Parlamentswahlen 2012 13,2 % der Stimmen.
  • Sie wurde und wird stark angegriffen durch faschistische und andere rechte Kräfte der Maidan-Bewegung. Es gibt seitdem Terror gegen Parteibüros, Funktionäre und Mitglieder.
  • Am 24. Juli wurde durch Verfügung des Parlamentspräsidenten die Fraktion in der Rada aufgelöst. Dazu wurde 2 Tage vorher ein entsprechendes Gesetz durchgepeitscht, was dem Parlamentspräsidenten das Recht zur Auflösung gab.
  • Wenn die Stärke einer Fraktion zurückgeht, soll sie der Parlamentspräsident auflösen können. Durch den Terror und tätliche Angriffe in Parlamentssitzungen ist eine Anzahl von Abgeordneten der KPU ausgeschieden.
  • Am 8. Juli wurde durch den Justizminister bei Gericht der Verbotsantrag gestellt.
  • Die Partei ist fest verwurzelt in den östlichen und südlichen Landesteilen – dort, wo auch die industriellen Zentren sind.
  • Die KPU hat einen Jugendverband: „Leninsche kommunistische Jugend der Ukraine“.

4. Partei der Regionen

  • 1997 gegründet, aber erst 2000 offiziell registriert.
  • Hatte Janukowitsch als Präsidentenkandidaten benannt.
  • Sie tritt links-populistisch auf, auch um Wähler der KPU abzuwerben.
  • Ihr Wählerpotential liegt überwiegend im Osten und Süden. Bei der Parlamentswahl 2012 erreichte sie 30 % der Stimmen, 65 % im Gebiet Donezk, 57 % im Gebiet Luhansk. Schlechte Ergebnisse im Westen.
  • Sie will Russisch als 2. Amtssprache und einen föderalen Staatsaufbau.
  • Zunächst gab es in der Partei eine starke Ausrichtung auf Russland, dann ist sie etwa ab 2006 davon wieder etwas abgerückt.
  • Ab 2014 gibt es in der Partei einen starken Mitgliederverlust.

5. Ukrainische demokratische Allianz für Reformen UDAR

  • Das ist eine liberale, EU-freundliche Partei.
  • 2010 von Vitali Klitschko gegründet. Er ist Parteivorsitzender, wurde aufgebaut von der Konrad-Adenauer-Stiftung und wird wird hofiert von der Regierung der BRD.
  • in der Parlamentswahl 2012 erreichte sie 13,9 % der Stimmen
  • Ging in der Maidan-Bewegung  ein oppositionelles Dreierbündnis mit Swoboda und Partei „Vaterland“ ein.

 

Worum geht es eigentlich in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen?

 

  • Es geht seit der Konterrevolution Anfang der 1990er Jahre um die Frage: Wohin soll sich die von Russland unabhängig gewordene Ukraine orientieren?Das ist eine geopolitische Auseinandersetzung:
  •  USA und NATO betreiben seit dem Zerfall der UdSSR eine Politik der Einkreisung.
  • Gorbatschow hatte das Versprechen erhalten, dass die NATO nicht an Russland heranrücken wird. Das Gegenteil ist eingetreten.
  •  Staaten des ehemaligen Warschauer Vertrages: DDR, Estland, Lettland,
    Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien wurden NATO-Mitglied, die USA haben einen Rakenstützpunkt in Georgien.
  • Man wollte auch die Ukraine in die NATO und EU. Hier engagierten sich auf den Westen orientierte, nationalistische Kräfte.
  • Russland hat den Niedergang unter den genannten Landesverrätern stoppen können und will wieder mehr Einfluss in der Welt.
  • Russland Will die mit eventuellem NATO-Beitritt der Ukraine verbundenen Gefahren abwehren. Großes Problem war die gegen Russland gerichtete Politik der Putschregierung in Kiew.
  • Sie schloss die Gefahr ein, dass der abgeschlossene Stationierungsvertrag auf der Krim gekündigt worden wäre. Das hätte zum Verlustes des Zugangs zum Schwarzen Meer und Mittelmeer geführt und die Verletzlichkeit der Russischen Föderation empfindlich berührt.
  • USA wollen ihre Weltherrschaft weiter ausbauen, EU mit Deutschland als Hauptkraft will noch mehr Einfluss in Europa und will auch Russland unterwerfen.
  • Russland will sich wieder größere Unabhängigkeit und eine größere Einflusssphäre schaffen. Deshalb Bündnis mit Weißrussland, Kasachstan, China, und wollte möglichst auch die Ukraine stark an sich binden, aufbauend auf die historischen Traditionen und die engen wirtschaftlichen Verflechtungen.
  •  Gegen die Politik der USA und EU muss Widerstand geleistet werden. In dieser geopolitischen Auseinandersetzung – sollten wir die Position Russlands unterstützen. Das ist keine Frage der Klassensolidarität. Das ist eine Frage: Wer ist der Hauptfeind?
  • Ähnliche Situation: Bündnisse im 2. Weltkrieg gegen Eroberungspläne des faschistischen Deutschlands.
  • Auslöser der gegenwärtigen Auseinandersetzungen war, dass Janukowitsch das geplante Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt hatte und sich stärker Russland zuwandte.
  • Dagegen entwickelte sich ab November 2013 die Opposition der auf den Westen orientierten Kräfte und sie betrieben mit der Maidan-Bewegung eine Politik des Sturzes der Regierung Janukowitsch.
  • Unterstützt wurde das durch die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der schweren wirtschaftlichen Lage und der Korruption, an der auch Janukowitsch beteiligt war. Er soll große Mittel für sich ins Ausland transferiert haben.
  • Die Bevölkerung hat Illusionen mit Blick auf EU. Ähnlich wie das bei der DDR-Bevölkerung war.
  • Kommen wird die Troika und den Menschen wird es danach noch dreckiger gehen.
  • Zunächst Versuch der „Vermittlung“ durch Außenminister aus Deutschland, Frankreich und Polen, einen Kompromiss mit Janukowitsch zu erreichen.
  • Das wurde, vor allem durch die faschistischen Kräfte des Maidan zum Scheitern gebracht. Janukowitsch musste das Land verlassen, das „Dreierbündnis“ ergriff die Macht. Damit haben sich die vorherigen „Vermittler“ sofort solidarisiert.
  • Dann Präsidentenwahl, um Anschein von Legalität zu erhalten. Poroschenko „Schokoladenkönig“, Milliardär, einer der Oligarchen, wurde am 25.05.2014 gewählt.
  • Er betreibt Bürgerkrieg gegen das eigene Volk. Setzt dafür auch Söldnerbanden ein. Will die „Separatisten“ vernichten. Terror in den eroberten Gebieten im Osten und Süden. Es besteht auch wieder Gefahr für Leib und Leben der rund 100.000 Juden der Ukraine.
  • Hauptschläge jetzt gegen Donezk und Luhansk. Große Opfer unter der Zivilbevölkerung.

Was für Kräfte sind die „prorussischen Separatisten“?

  • Der Begriff „prorussische Separatisten“ ist ein Sprachgebrauch der westlichen ideologischen Diversion. Wir sollten ihn nicht verwenden.
  • Eindeutig: Es sind keine Kräfte der Arbeiterklasse. Die gegenwärtigen Auseinandersetzungen können nicht gleichgestellt werden mit Kampf Imperialismus gegen Arbeiterklasse. Sie sind in sich sehr differenziert.
    Einig in der Ablehnung des Regimes im Ergebnis des Putsches vom Februar 2014 in Kiew, insbesondere wegen der darin verankerten faschistischen Kräfte und einig in der Ablehnung deren Politik gegenüber der EU. Deshalb sind sie in der Tat „prorussisch“. Sie knüpfen an die Traditionen an und vor allem an die starken
    wirtschaftlichen Bindungen der Zentren im Osten und Süden an Russland.
  • Aber der Begriff „Separatisten“ trifft nicht auf alle zu.
  • Tragende Kräfte sind die bewaffneten Volksmilizen. Ihre Zentren sind die an Russland grenzenden Regionen Charkow, Luhansk, Donzek.
  • Die Volksmilizen unterstützten die Referenden im Osten im Jahr 2014.
  • Eine bestimmende Richtung der Volksmilizen hat nach einem Referendum am 14. Mai 2014 eine „Volksrepublik Donezk“ ausgerufen. Sie soll ein eigener, auch von Russland unabhängiger Staat sein.
  • Ein anderer Teil will mehr Autonomie, bei Verbleib in der Ukraine.
  • Eine dritte Richtung will Teil Russlands werden – wie die Krim.Wie das ausgehen wird, kann heute niemand sagen.
  • Die Kräfte im Gebiet Donezk sind offensichtlich auch militärisch stark.
  • Mariopol ist von der Kiewer Regierung zurückerobert; in Odessa wurden die gegen die Kiewer Regierung agierenden Kräfte zurückgedrängt. Ein großes Verbrechen der faschistischen Kräfte war die Brandlegung im Gewerkschaftshaus.
  • Kiew kontrolliert jetzt 13 der 18 Bezirke des Gebiets Donezk, hat auch Slawansk erobert.
  • Hauptschläge werden jetzt gegen Donezk und Luhansk geführt.
  • Die Ukraine steht innenpolitisch vor Zerreißprobe und ist wirtschaftlich am Ende. Sie braucht dringend Kredite. Putin hatte ein günstiges Darlehen von 15 Mrd. Dollar versprochen, 2 Mrd. sind geflossen, das andere wurde nach dem Putsch vom Februar 2014 gestoppt
  • Auch EU hatte Kredtite versprochen, aber an Bedingungen geknüpft. IWF hat erklärt: Kredite nur dann, wenn die östlichen Gebiete zurückerobert werden. Es sind die industriellen Zentren, die natürlich für die imperialistischen Kräfte der EU interessant sind.
  • Große Rolle spielt der Absturz der Malaysischen Passagiermaschine. Die antirussische Kampagne im Zusammenhang damit ist bekannt. Die USA wußten schon am nächsten Tag genau, wem das anzulasten ist.
  • Die Aufklärung läuft noch. Hier bewährt sich wieder die alte Frage: „Cui bono“ ?
    Auf keinen Fall dient das den Interessen der Regierung Russlands und Putins, und auf keinen Fall den so genannten „prorussischen Separatisten“. Mehr ist damit im Moment nicht zu sagen.

 Dr.jur. Dr.phil. Ernst Albrecht

Bei der Erarbeitung dieses Vortrages stützte ich mich auf folgende Quellen:

– MEYERS NEUES LEXIKON (DDR)

– Länder der Erde, politisch-ökonomisches Handbuch, Verlag Die Wirtschaft Berlin

– Veröffentlichungen in der UZ, insbesondere die Beiträge von Willi Gerns,

– Veröffentlichungen in neues deutschland, insbesondere seit November 2013,

– Rotfuchs

– Wikipedia.